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Wahnsinn oder Wirklichkeit?

Delivered... norient | Scene | Tue 13 Mar 2018 7:00 am

Im Video zum Stahlberger-Song «Du verwachsch wieder nume i dinere Wonig» verwischt Regisseur Jovica Radisavljevic die Grenzen von Realität und Wahn. Hier erzählt er, wie es dazu kam und was es heißt, mit Minimal-Budget maximal kreativ zu sein. Aus dem Norient Buch Seismographic Sounds (hier bestellbar).

Still aus Stahlberger (Musik), Jovica Radisavljevic (Video): «Du verwachsch wieder nume i dinere Wonig» (Schweiz 2014)

Die Anfrage von Stahlberger, ein Musikvideo zu «Du verwachsch wieder nume i dinere Wonig» zu drehen, hat mich während einer zweimonatigen Asienreise erreicht. Ich habe sofort zugesagt und bin mit dem Song im Gepäck weitergereist. Immer wieder habe ich den Song angehört und mich gefragt, wie diese Geschichte einer Flucht aus Alltag und Realität in ein Musikvideo umgesetzt werden könnte: Mir war von Anfang an klar, dass das Video furztrocken sein musste. Das passt zu Stahlberger und ihrem einzigartigen Humor. Ich hatte das Bild eines «geistig angeschlagenen» Protagonisten im Kopf, alleine in einem kargen Raum. In welchen Kontext setzen wir diese Person? In ein Gefängnis? Zu übertrieben! In ein Treffen der Anonymen Alkoholiker? Schauspielerisch zu anspruchsvoll! Die Flucht eines Schizophrenen im Auto? Zu teuer!

Zurück in der Schweiz habe ich die Ideen mit dem Kameramann Aron Marty diskutiert, der mit mir dann auch die Crew bildete. Gemeinsam sind wir auf die Idee mit dem Psychologen gekommen. Denn wo verarbeitet man eine Situation, wenn man mit der Gesellschaft oder dem Alltag nicht mehr klar kommt? Ein Setting, das ideal zum Song passt. Dass Manuel Stahlberger als Kopf der Band den Patienten spielen musste, lag auf der Hand. Die Rolle des Therapeuten haben wir dem Bassisten Marcel Gschwend alias Bit-Tuner zugeteilt, der auch innerhalb der Band immer mal wieder den Band-Papa gibt. Und die übrigen Bandmitglieder? Einerseits haben wir sie in den Warteraum der Praxis gesetzt und andererseits mit ihnen diese abgespacten Refrain-Teile inszeniert, die die trockenen Strophen der Realität mit einem schrillen Traum kontrastieren. Das ist ein Grundthema von Video und Song. Man ist sich nie sicher: Ist das jetzt schon Wahnsinn oder immer noch Wirklichkeit? Die Grenzen verwischen, etwa wenn sich ein Käfer aus der Tapete löst und quer über die Wand krabbelt.

Material und Requisiten haben wir an unserem Drehort – eine leerstehende Fabrikhalle –, in umliegenden Brockenstuben und Einrichtungshäusern zusammengesucht, drei Räume bildeten die Szenerie: ein Wartezimmer, ein Behandlungsraum und ein Greenscreen. Der Drehtag hat schliesslich fast 15 Stunden gedauert, und trotzdem war die Stimmung stets heiter. Immer wieder sind Leute vor die Linse gesprungen und man musste die Einstellung wiederholen. Oder wir haben unter dem Vorwand, dass der Take noch immer nicht gut sei, Marcel so lange genötigt, Magnesium zu schnupfen, bis er nicht mehr konnte.

Wir haben viel diskutiert: Warum machst du das jetzt so und nicht anders? Wie sollte der Gesichtsausdruck sein? Was schreibst du in dein Notizbuch? Vieles entstand spontan und ohne Drehbuch. Die Band hat vor dem Dreh von uns nur eine grobe Kurzbeschreibung des Videos bekommen, verbunden mit der Aufforderung, einen Koffer mit allen möglichen Kostümen und Kleidern mitzunehmen. Damit haben wir dann experimentiert. Anderes, wie etwa die Tanzeinlagen des Refrains, entstanden aus der Müdigkeit. Selbst in der Postproduktion habe ich vieles spontan entschieden: Bei der Ästhetik der Refrain-Teile habe ich mich etwa vom wunderbaren Musikvideo «My People» von The Presets inspirieren lassen. Verdienen lässt sich an so einem Projekt übrigens kaum etwas. Uns ist es auch nie ums Geld gegangen. Vielmehr darum, etwas zu tun, was man komplett, von A bis Z, selbst auf die Beine stellt. Die Band hat uns da völlig freien Spielraum gelassen.

Dieser Text wurde erstmals publiziert im zweiten Norient Buch «Seismographic Sounds». Klicke auf das Bild, um mehr zu erfahren.

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