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Indian E-music – The right mix of Indian Vibes… » Gisela Feuz


Bizarre Musikgenres Vol. 4

Delivered... Gisela Feuz | Scene | Wed 15 Feb 2017 12:41 pm

Die Welt der Musikgenres ist eine bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie kommen Genres zum Zuge, von denen Sie bis anhin noch nie gehört haben. Norient publiziert die Serie des Blogs KulturStattBern.

Fuke-Mönche (komusō) spielen auf der japanischen Bambuslangflöte Shakuhachi. (Photo Wikipedia)

Teil 4 von 4 – Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4

19. Peschmerga-R&B

Während Deutschland der kurdischen Peschmerga mit Flugzeugen zur Seite steht, tut dies eine Dame namens Helly Luv mit ihren ganz eigenen Waffen. Die 26-Jährige hat ihre Kindheit in einem Flüchtlingscamp verbracht, bevor sie nach Finnland gelangte. Heute lebt Helly Luv in den USA, hat zwei Löwen als Haustiere, im Garten einen Panzer stehen, auf Twitter über 100’000 Follower und ist in der autonomen Region Kurdistan im Irak eine Berühmtheit. Und ganz nebenbei hat der IS ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Warum? Weil sie mit ihrem kriegsverkitschendem Hochglanz-R&B zum Postergirl der Peschmerga geworden ist, nicht zuletzt weil sie in ihren Songs Durchhalte- und Agitationsparolen an die Kämpfer richtet.

Mut hat sie, das muss man Frau Luv lassen. So hat sie das Video zu «Risk it all», in dem sie leicht bekleidet und mit Molotowcocktail bewaffnet auftritt – in anderen Videos sind es auch mal Panzerfaust und goldener Patronengürtel – in unmittelbarer Nähe eines Kampfgebietes aufgenommen. Es gehe ihr aber nicht bloss um Provokation, liess Helly Luv, die mit bürgerlichem Namen Helan Abdullah heisst, verlauten, sondern sie wolle mit ihrer Musik klar machen, wer die Guten und wer die Schlechten seien. Wenn doch Politik bloss auch so einfach wäre.

20. Kawaiicore

Kawaii ist ursprünglich ein japanischer Ausdruck, der sich mit «liebenswert» oder «niedlich» übersetzen lässt. Mittlerweile steht Kawaii aber auch für ein ästhetisches Konzept, in welchem Unschuld und Kindlichkeit betont werden und das sich in alle Bereiche der japanischen Gesellschaft ausgedehnt hat. Was einst ausschliesslich Teenie-Mädchen begeisterte, wird heute auch bei staatlichen Veröffentlichungen, Warnungen oder gar Werbungen fürs Militär verwendet und ist natürlich auch in der Pop-Kultur omnipräsent. So setzen sich typisch japanische Pop-Gruppen oft aus mehreren Kawaii zusammen, also kindlich kostümierten Teenagern, die zu schwungvoller Musik rumturnen.

Ein Kawaii der etwas anderen Art ist ein Herr namens Ladybeard, der früher als professioneller Wrestler durch die Lande tingelte und sich nun in einem Trio namens Ladybaby als Frontmann austobt. Er sei ein grosser Freund von Heavy Metal und Techno-Pop und Kawaiicore gebe ihm die Möglichkeit, seine beiden Passionen zu vereinen, liess Herr Ladybeard letztes Jahr in eine Interview verlauten. Und weiter: «I try to look as pretty as possible while doing so.» Nun ja. Schönheit soll ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegen. Aber entscheiden Sie doch selber. Hier sind Ladybaby mit «Nippon Manju», in dem alle Dinge besungen werden, welche die drei toll finden an Japan. Für Sie, werte KSB-Leserschaft, exklusiv in der Karaoke-Version zum Mitsingen.

21. Shakuhachi Pop

Obwohl er bereits seit sechs Jahre den Blümlein von unten beim Wachsen zusieht, ist seine Popularität ungebrochen, denn für viele war und ist er der einzig wahre King of Pop. Die Rede ist natürlich von *u-hu-in-den-schritt-greif* Michael Jackson. 51 Jahre jung verstorben, 10 Alben und unzählige Nummer 1 Platzierungen schwer, gehören seine Songs zu den am meisten gecoverten, wobei so ziemlich jedes Genre vertreten ist, das man sich vorstellen kann. Nun kommt auch noch eine fernöstliche Adaption dazu, von der man im ersten Moment nicht denken würde, dass sie funktioniert.

Die Ladies von 523 Koibumi covern «Smooth Criminal» und bringend dabei das Raum-Zeit-Kontinuum ordentlich durcheinander, denn der Jacksons-Heuler aus dem Jahre 1987 wird auf traditionellen japanischen Instrumenten aus dem 15. Jahrhundert angestimmt. Dazu gehören Shakuhachi (eine japanische Bambuslängsflöte mit gerade mal vier Löchern) und Koto (eine mit 13 Saiten bespannte Wölbbrettzither). Wie das klingt? Grossartig. Die Ladies an den Zithern nicken denn auch ordentlich ab. Zumindest für japanische Verhältnisse.

22. Quantenphysik-Pop

Die physische Realität sei nur eine Spiegelung dessen, was die meisten Menschen für echt hielten, also eine Parallelwirklichkeit. «Wollen wir diese Parallelwirklichkeit ändern, müssen wir selber damit anfangen.» Weise Worte, die man einem Mann gar nicht zutrauen würde, der einen grossen Teil seiner Karriere damit verbracht hat, sich in einem Box-Ring gfürchig zu benehmen und mit «Triangle Choke» oder «Spinning Back-Fist» seine Gegner zu Fall zu bringen. Wo auch immer der Martial-Art-Kämpfer Genki Sudo auftrat, war ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit des japanischen Publikums gewiss, zumal er seinen unberechenbaren, hoch technischen Jiu-Jitsu-Kampfstil gerne mit Tanzeinlagen anreicherte. 2009 hängte Genki Sudo dann allerdings wegen einer Nackenverletzung seine Kampfhose an den Nagel, scharrte sechs Tänzer um sich und startete ein Musikprojekt namens World Order, mit dem er fortan dem «Quantenphysik-Pop» frönte.

Stets adrett gewandet, nehmen die sieben Herren ihre Musikvideos gerne an öffentlichen Orten vor ahnungslosem Publikum auf. So gaben World Order eine Woche nach der Katastrophe von Fukushima den Video-Clip zu «Machine Civilization» heraus, welcher unter anderem auf japanischen Flughäfen während des After-Katastrophen-Hochbetriebs sowie in zerstörten Industrieanlagen gefilmt worden war. Welch schöne Mensch-Maschine-Persiflage auf unsere ach so fortschrittliche, technologisierte Welt.

23. Atonal Kitten Music

Atonale Musik und Katzenvideos kommen ja aus zwei unterschiedlichen Universen. Letzteres ist komplett bescheuert, ersteres je nach Sichtweise auch, oder aber das Resultat einer der wichtigsten Paradigmenwechsel in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Atonale Musik ist nicht auf einen Grundton fixiert, sondern basiert auf der chromatischen Tonleiter, was aus der Sicht der Befürworter für Komplexität spricht, aus der Sicht der Gegner als Beliebigkeit eingeschätzt wird und gerne auch mal ketzerisch als Katzenmusik betitelt wird. Und da kommt Cory Arcangel ins Spiel.

Der 38-jährige Cory Arcangel ist ein New Yorker-Künstler, der sich in unterschiedlichen Gefilden austobt. Oft stellt er Werke her, indem er aus bereits existierendem Material wie Fotos, Videos oder dancing stands neue Arbeiten schafft und damit die Beziehung von digitaler Technologie und Popkultur untersucht. Und so lässt er auch mal herzige Büsis Arnold Schönbergs – der Übervater der atonalen Musik – elftes Opus klimpern.

24. Gospel Porn

Sie wollten ihre Anliegen der Zuhörerschaft so brutal, grob und direkt wie möglich um die Ohren hauen, sagt Hip-Hop-Künstler M3NSA im Interview. Er ist Teil des Rap-Duos Fokn Bois, zwei Sprechgesangs-Anarchos, die in ihrer Heimat Ghana ebenso umstritten sind wie die korrupte Regierung. So handeln die einen die Fokn Bois als regierungskritische Helden, für die anderen sind die Zwei gotteslästernde Staatsverräter.

Es ist durchaus im Interesse der Herren Fokn Bois, kreativ Unruhe zu stiften. Schliesslich sollen mit der Musik kritische Themen angesprochen werden wie etwa der doppelmoralige Religionswahn im eigenen Land, das Bleichen schwarzer Hautfarbe oder Homophobie. Für das Ausreizen der Genre- und Schamgrenzen haben die Fokn Bois eine eigenes Genre ausgerufen: Gospel Porn. Wie Wanlov the Cubolor erklärt, sei Porno doch nichts anderes als eine abstossende Flut an Bildern. Für die Fokn Bois sind dies aber nicht nur Bilder mit sexuellen Inhalten, sondern eben auch Kirche, Krieg und Kapitalismus gehören zu Porno. Und weil sie zeigen wollten, wie abstossend das Ganze sei, hätten sie ihren grenzensprengenden Sprechgesang Gospel Porn genannt. Halle-fucking-lujah, wie Trash-Reverend Beat-Man sagen würde.

Teil 4 von 4 – Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4

Bizarre Musikgenres Vol. 3

Delivered... Gisela Feuz | Scene | Fri 22 Apr 2016 7:30 am

Die Welt der Musikgenres ist eine bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie kommen Genres zum Zuge, von denen Sie bis anhin noch nie gehört haben. Norient publiziert die Serie des Blogs KulturStattBern.

Atari 2600. Foto: Evan Amos.

Atari 2600. Foto: Evan Amos.

13. Space Disco

«A long time ago, in a galaxy far, far away …» Star-Wars-Fans dürften glänzige Äuglein bekommen ob diesen Worten und sich entsprechend auch am heutigen Genre ergötzen: Space Disco. SD ist eine Mischung aus futuristischen Motiven, Sounds und Visuals und wurde in den späten 1970er Jahren in Europa populär. Das Weltall und dessen Erkundung ist ein Kernelement dieses Genres und so spickten denn auch viele Bands ihre Live-Shows mit Roboter-Geräusche, Laser-Beleuchtungen oder Computer-Sequenzen.

Space Disco war einerseits von der Disco-Musik der 70er-Jahre inspiriert, andererseits aber auch von Science-Fiction-Filmen wie «Solaris», «Unheimliche Begegnung der dritten Art» und natürlich allen voran der George Lucas’ Star-Wars-Saga. Entsprechend abenteuerlich war denn oft auch die Outfits der Glamrock-Astronauten. Film ab – Viel Vergnügen. Möge die Macht mit Ihnen sein, werte Leser und Leserinnen. Aber Ihr Vater bin ich dann im Fall nicht.

14. Pagan Metal

Letztes Wochenende bevölkerte eine wundersame Spezies das Greenfield Open Air. Besagte Gattung besteht aus vorwiegend jugendlichen Geschöpfen, die Schottenröcke, Wams, Gamaschen, ein wallendes Gewand oder auch mal einen Hexenhut tragen, ein Trinkhorn mit sich führen und generell gerne die Garderobe mit mittelalterlichen Accessoires aufpeppen. Der Grund für den Putz waren wohl die Bands Saltatio Mortis und Eluveitie, die beide melodischen Rock bzw. Metal mit Elementen aus der mittelalterlichen Folkmusik anreichern und entsprechend dem Genre Folk oder Pagan Metal zugerechnet werden.

Die Schweizer Band Eluveitie (etruskische Form des keltischen Wortes Helvetios, also «der Helvetier»), die im Ausland erheblichen Erfolge feiert und in Übersee so richtig grosse Stadien füllt, ergänzt ihren Death- oder Black-Metal gerne mit typisch folkloristischen Instrumenten wie Rahmentrommeln, Flöten, Fiddeln oder Dudelsäcken, wobei es nicht einer gewissen Komik entbehrt, wenn ein gestandenes langhaariges Mannsbild eine Flöte bedient. Man stelle sich den Aufriss-Spruch im Backstage vor: «Hey Baby, ich bin Flötist bei einer Metal-Band.» Die Text sind bei Eluveitie phasenweise wenig mitsingfreundlich, werden sie doch zum Teil in einer rekonstruierten Form des helvetischen Gallisch verfasst.

Die Deutschen Saltatio Mortis (lat. für Totentanz) sind zwar nicht in der ganz harten Metal-Ecke zu verorten, bedienen sich nebst der gängigen Rock-Gerätschaften aber auch gerne Instrumenten wie Schalmei, Marktsackpfeife, Mandola oder Harfe und haben sich zudem nach mittelalterlicher Manier lustige Namen wie Alea der Bescheidene, Lasterbalk der Lästerliche und Luzi das L zugelegt. Wer sich solche Musik anhört? Offenbar mehr Leute, als einem bewusst ist, ist doch das letzte Album von Saltatio Mortis namens «das schwarze Einmaleins» im 2013 auf Platz eins der deutschen Album-Charts geklettert, während Eluveitie im März diesen Jahres als erste Metal-Band überhaupt den Swiss Music Award in der Kategorie «Best Live Act» abgeräumt hat. O tempora! O mores! (In helvetisches Gallisch müssen sie das schon selber übersetzten.)

15. Lowercase

Lowercase minimalistisch zu nennen, ist schon fast eine Untertreibung. Aufgekommen in den frühen 2000er-Jahren handelt es sich bei Lowercase um eine radikale Form minimalistischer Ambientmusik, bei der leise, unaufgeregte Klänge in mehr oder weniger lange Abschnitte von völliger Stille eingebettet werden. Die Geräusche und Klänge stammen meistens aus Feldaufnahmen, wobei auch die ursprünglichen Klangverursacher eher leiser Natur sind. Der Start eines Jumbo-Jets oder ein spanischer Fussballkommentator dürften es also wohl eher weniger auf eine Lowercase-Platte schaffen.

Einer der wichtigsten Vertreter und auch Namensgeber des Genres ist Steve Roden, der selber ein ganzes Album namens «Forms of Papers» herausgegeben hat, auf dem es ausschliesslich Geräusche von Papier zu hören gibt, welches auf verschiedene Arten angefasst wird. Lowercase schreie nicht nach Aufmerksamkeit, sondern müsse entdeckt werden. «It’s the opposite of capital letters – loud things which draw attention to themselves.» beschreibt Roden den leisen Gesellen des Ambiente. Dann lehnen Sie sich doch jetzt mal zurück, werte Leserschaft, und entdecken Sie.

16. Crunkcore

Crunkcore hat seinen Ursprung eigentlich in der EMO-Szene und bedeutet nichts anderes, als dass Sprechgesang mit elektronischen Beats und Schreien kombiniert wird. Von der traditionellen Rock-Instrumentierung hat man sich im Crunkcore verabschiedet, dafür darf Kollege Computer ran, von Emo sind die schmachtenden Stimmen geblieben, besungen wird aber nicht die Verzweiflung des empfindsamen Subjektes in der grausamen Welt, sondern vielmehr wird darüber sinniert, ob einem Alkohol bei einem nächtlichen Besäufnis allenfalls ein bisschen Spass bereiten könnte. Die Stimmen sind zum Teil so arg verfremdet, dass ein Gastauftritt in «Die Schlümpfe» eigentlich kein Problem darstellen dürfte, Haarschnitte und -farben schreien nach Frisurenpolizei und die Hüftverrenkungen der tanzenden Teenie-Mädels sind mal mehr, meistens aber weniger lasziv.

Weswegen werden die armen Mädels denn überhaupt so zusammengebrüllt? Was ist die Aufgabe des rosa Nilpferdes? Ist das überhaupt ein rosa Nilpferd? Wieso wird der wertvolle Schnaps verschüttet und nicht getrunken? Und wer sind diese 9,5 Millionen Menschen, welche sich dieses Video angeschaut haben??? Fragen über Fragen. Es ist zum Schreien, jäuuuuurrrr!

17. Japanoise

Japanoise ist ein sogenanntes Kofferwort, auch Portmanteau-Wort genannt, also ein Kunstwort, das aus mindestens zwei überlappenden Wörtern besteht, die so zu einem inhaltlich neuen Begriff verschmolzen werden; in diesem Fall Japanese und Noise. Japanoise steht für Bands der japanischen Noise-Szene, die Klänge produzieren, welche für ungeübte Ohren nach hausgemachtem Durcheinander ohne logische Struktur und Zweck klingen. Liebhaber sperriger Materie allerdings dürfte an dem abenteuerlichen Mix aus Psychedelic-Rock, surrealistisch anmutenden Einschüben und Avantgarde-Jazz ihre wahre Freude haben.

Japanoise war vor allem in den 80er- und 90er-Jahren populär, aber auch noch heute steigt immer wieder ein Rauchzeichen aus dieser Szene auf, die sich durch ihre außergewöhnliche musikalische Freiheit auszeichnet. So finden sich im Sammelbecken «Japanoise» Bands die hi-speed Improvisation betreiben, andere wiederum bevorzugen die Zerstörungswut des Punk, manche mögens eher psychedelisch und wieder andere reizen gerne elektronische Stör-Gefilde aus.

18. Digital Hardcore

Als Digital Hardcore wird eine brettharte Mischung aus Techno, Hardcore-Punk, Hip-Hop, Noise, Metal und Breakbeats bezeichnet, wobei bei der Klang-Fabrikation ausschließlich mit digitaler Musiktechnologie gearbeitet wird. Als Erfinder des Digital Hardcores werden Atari Teenage Riot gehandelt, welche seit 1992 im Musik-Zirkus unterwegs sind und ihre Wurzeln in Berlin haben. Im Zentrum stehen die beiden Programmierer Alec Empire und Nic Endo, seit 2010 bzw. 2012 sind auch CX Kidtronik und Rowdy Superstar mit an Bord, welche anarchistische Botschaften und Cyperpunk-Themen in maschinenpistolenschnelle Reime verpacken.

Atari Teenage Riot bedienen sich bei ihrer Klangproduktion ausschließlich einem vorsintflutlichen Gerät des digitalen Zeitalters: dem Atari-ST-Computer, der in den 1980er-Jahren der neuste Shit war und über ganze zwei Megabyte verfügt. Die klangliche Imperfektion, die aufgrund der Verwendung dieser Urtechnologie entsteht, ist dabei durchaus beabsichtigt, wie Frontmann Alec Empire erklärt: «Von Musik bis zu nuklearer Energie, Menschen verstehen Technologie als eine Religion und sagen, das werde alle unsere Probleme lösen. Ich bin sehr skeptisch, was das anbelangt.»

Selber bezeichnen Atari Teenage Riot ihr Mucke oft als «Riot Sounds», wobei auf William S. Burroughs Aufsatz «Riotsounds produce Riots» angespielt wird, in welchem der amerikanische Beat-Schriftsteller die Theorie aufstellt, dass durch lautes Abspielen von Klängen eines Aufstandes in der Öffentlichkeit auch ein Aufstand erzeugt werden könne, da sich Hörer Gehörtem anpassen würden.

Dies ist der dritte und letzte Teil der Serie „Bizarre Musikgenres“. Die ersten beiden Kapitel sind hier und hier zu finden.

Bizarre Musikgenres Vol. 2

Delivered... Gisela Feuz | Scene | Fri 2 May 2014 5:45 am

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Norient publiziert die auf dem Blog KulturStattBern erscheinende Serie von Gisela Feuz. Weitere Teile: Vol. 1

7. Glitch

Stellen Sie sich vor, Ihr CD-Player hat einen Aussetzer und kann ihren Lieblingssilberling aus dem Jahr 1989 nicht mehr richtig lesen, versucht es aber immer und immer wieder. «Wfuiiitsch, wfuiiitsch … wfuiiitsch», so klingt das ungefähr. Wenn Sie dieses Geräusch nun aufnehmen und weiterverarbeiten, dann machen Sie Glitch.

Es ist eine Ästhetik der elektronischen Fehlfunktion, welche bei Glitch im Zentrum steht. Dazu werden Geräusche verwendet, welche der Computer oder ein technisches Audiogerät von sich gibt, wenn es mit irgendetwas nicht einverstanden ist. Einige Glitch-Musiker gehen sogar so weit, dass sie elektronische Geräte so lange beschädigen, bis diesen nur noch knapp ein Ton entlockt werden kann. Damit wird dann eine Art Melodie kreiert, die wiederum von anderen Störgeräuschen unterbrochen wird; Brummtöne, Rauschen, Verzerrung, Bit-Rate-Reduktion, Hardware-Geräusche oder Geräusche von Software-Warnungen oder System Errors lassen dabei das Herz jedes Glitchers höher schlagen.

Als selbständige Bewegung lässt sich Glitch erstmal im Deutschland der 90er-Jahre festmachen, allerdings finden sich Ideen zu dieser Fehlfunktion-Ästhetik bereits in The Art of Noises aus dem Jahre 1913, dem Manifest des italienischen Futuristen Luigi Russolo zu Noise-Musik.

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8. Visual Kei

Falls Sie Visual Kei nicht kennen sollten, freuen Sie sich, denn hier gibts gleich zünftig eins aufs Auge. Jawohl, aufs Auge, denn Visual-Kei-Bands sind weniger für ihre Musik, sondern vielmehr für ihre ausgefallenen Bühnenoutfits bekannt. Visual Kei ist vor allem ein japanisches Phänomen, wobei die Vorbilder in den 80er-Jahren der westlichen Musikszene zu finden sind. Die modische Aufmachung von David Bowie, Souxsie and the Banshees, Twisted Sisters und anderen Bands aus der Glam-Rock- oder Gothic-Ecke haben einige japanische MusikerInnen offenbar dazu inspiriert, sich nach westlichem Vorbild zu kleiden und schminken, wobei in Punkto (Renaissance-)Grellheit gerne noch eines oben drauf gesetzt wird.

Visual-Kei-Fans im Stil der Gruppe Phantasmagoria (Tokio, 2006)

Visual-Kei-Fans im Stil der Gruppe Phantasmagoria (Tokio, 2006)

Es ist nicht gänzlich geklärt, welche japanische Band zuerst im Visual-Kei-Stil auftrat. Als möglicher Vorreiter wird die Band X Japan genannt, obwohl die Truppe selber sich nie dahingehend geäussert hat, sondern sich vielmehr als reine Metal-Band verstand. Musikalisch lassen sich die VK-Bands nicht auf einen Nenner bringen, denn von Pop über Glam Rock bis Heavy Metal ist alles vertreten. Hauptsache schön toupiert, viel Haarspray und ordentlich Farbe auf den Augendeckeln.

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9. Wizard Rock

Zu den führende Vertreter von Wizard-Rock-Bands (Wizard = Zauberer, Hexenmeister) gehören Harry and The Potters und «Draco and The Malfoys, womit denn auch bereits klar wäre, welches die Kernelemente dieses Genres sind. Gerne wird hier die Perspektive eines zauberstabschwingenden Jünglings eingenommen und obwohl die Zauberwelt da doch so einige Charaktere zu bieten hätte, wird der blasse Potter mit seiner John-Lennon-Brille bevorzugt behandelt.

Verbrochen haben Wizard Rock die beiden amerikanischen Brüder De George, welche um 2003 herum dermassen von den Büchern der J.K. Rowling begeistert waren, dass sie sich zu Harry and the Potters zusammentaten und in Bibliotheken (!) zu spielen begannen. Dabei bediente der damals 18-jährige Joe De George das Keyboard und gab den Harry im vierten Zauberlehrjahr, während sein um acht Jahre älterer Bruder Gesang und Gitarre beisteuerte und den offenbar ein paar mal sitzen geblieben Harry im siebten Zauberlehrjahr darstellte. Die Songs sind voller Anspielungen auf den Hogwarts- und Muggle-Kosmos und tragen Titel wie «Luna Loveggod is OK», «Phoenix Song» oder «Save Ginny Weasley». Harry sei halt schon ziemlich punk, erklärte einer der De George-Brüder die eigene Faszination für den bleichen Zauberschüler. Nun ja. Über die Definition von «punk» lässt sich bekanntich streiten. Nun aber Video ab – exklusiv für Sie mit Text zum Mitsingen, werte Leser und Leserinnen. «Expecto Patronum!!»

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10. Cuddlecore

Die Bezeichnung Cuddlecore (cuddle = kuscheln) wurde anfänglich für die kanadischen Bands Cub oder Bunnygrunt verwendet. Diese verstanden sich in den frühen 90er-Jahren als Gegenpol zu der Riot-Grrrl-Bewegung, in welcher (Frauen-)Bands wie L7, Hole oder The Muffs rotzigen Alternative-Rock oder Punk produzierten. Der Begriff Cuddlecore wird seitdem für Bands verwendet, die oft, wenn auch nicht immer, nur aus Frauen bestehen und eine eher pop- und harmonieorientierte Art von Punk oder Rock spielen. Während die Riot Grrls in schönster Teenager-Manier mit zerrissenen Strümpfen, schwarzumrandeten Augen und gestrecktem Mittelfingern der Welt einen Tritt in den Hintern zu verpassen gedenken, sind Cuddlecore-Mädchen quasi die kleinen Zahnspangen-Schwestern, die höchstens mit Stofftieren um sich werfen und sich anschliessend dann auch noch dafür entschuldigen.

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11. Splitter

Innerhalb der Gattung Speedcore – also der extrem schnellen Variante von Hardcore Techno – wird Splitter als die schnellste Variante überhaupt gehandelt, ist also quasi der Usain Bolt des Techno. Anfang der 90er-Jahre wurde im Bereich der Techno-Musik viel ausprobiert, alles war neu und entsprechend ungezwungen ging man an Experimente heran. Im damaligen Untergrund gab es auch die Speedfreaks, denen es nicht schnell genug sein konnte und die sich im aufstrebenden Internet zusammentaten und austauschten, wobei die Speedcore-Szene vor allem ein europäisches Phänomen war und blieb.

Der Ursprung dieser schnellstmöglichen Version von Techno liegt in der Benutzung von Drumcomputern und Perkussionssampels; aufkommende Computerprogramme wie «Tracker» unterstützen und vereinfachten die Bearbeitung. Bald einmal gab es in Bezug auf die Geschwindigkeit keine Obergrenze mehr, so erreichen die schnellsten Splitter-Stücke aberwitzigen 15’000 BPM. Grundsätzlich wird ab 600 BPM, also 10 Beats pro Sekunde, von Splitter gesprochen. Oft sind die Beats dermassen schnell, dass die ursprünglichen Bässe nach anderen homogenen Geräuschen zu klingen beginnen. Entsprechend steht bei Splitter auch nicht der einzelne Beat, sondern der Gesamtklang im Vordergrund. In Passagen mit vielen hohen Frequenzen klingt dies zum Teil wie zersplitterndes Glas – von da hat diese Stilrichtung auch ihren Namen. Nun aber Video ab. Und falls Sie sich gerade zum Tanzen animiert fühlen sollten, werte Leser und Leserinnen: Man muss also nicht zwingend jeden Takt einhalten, jeder 139. reicht auch.

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12. Black Midi

Gehören Sie auch zu den Menschen, die auf eine abverreckte Klavierkarriere zurückschauen können? Schrecken Sie zwischendurch immer noch aus dem Schlaf auf, weil sie gerade geträumt haben, sie sitzen vor den schwarz-weissen Tasten, und zwar unter dem gestrengen Blick von Frau Thöni, die sie ausschimpft, weil sie wieder mal nicht geübt haben? Black Midi ist die elektronische Rache an allen Frau Thönis dieser Welt.

Grundsätzlich ist Black Midi ein Sub-Genre von Dubstep und wird zur Zeit in Asien als das nächste Grosse Ding abgefeiert. Die Notation von Black-Midi-Stücken sieht auf den ersten Blick gar nicht so anders aus als diejenige von klassischen Klavierstücken. Wäre da nicht die ungeheure Anzahl an Noten. Normalerweise werden bei einem Black-Midi-Stück abertausende elektronisch generierte 1/32 oder noch kürzere Noten verwendet, so dass eine fertige Komposition aussieht, als habe man auf einem linierten Blatt Papier einen ganzen Ameisenstaat plattgemacht. Das «Black» in Black Midi bezieht sich denn auch auf dieses Phänomen. Also auf die Schwärze, nicht die Ameisen. Eat this, Frau Thöni!

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Fortsetzung folgt!

Bizzare Musikgenres Vol. 1

Delivered... Gisela Feuz | Scene | Fri 21 Mar 2014 6:45 am

Die Welt der Musikgenres ist eine vielfältige, bunte und manchmal unfreiwillig komische. In dieser Serie sollen Genres zum Zuge kommen, von denen Sie bis anhin vielleicht (zu recht) noch nie gehört haben. Norient publiziert die auf dem Blog KulturStattBern erscheinende Serie von Gisela Feuz.

1. Crabcore

Crabcore ist eine Mischung aus Emocore und Screamo, wobei die Genrebezeichnung nicht wie üblich einen Rückschluss auf musikalische Elemente erlaubt, sondern vielmehr die physischen Aktivitäten beschreibt, die beim Spielen dieser Art von Musik ausgeübt werden. Crabcore-Musikanten bedienen ihre Instrumente gerne breitbeinig in der Hocke und imitieren so den Gang der tierischen Namensgeberin, der Krabbe. Als Anschauungsbeispiel dienen Convicted Skies aus Russland (vorbildhaft ab 2:23). Was Charlotte Brontës viktorianische Romanheldin Jane Eyre mit dieser Sache zu tun hat, hat sich die Autorin bis anhin noch nicht erschlossen. Video ab – Aber Achtung: Ohren- und Augenkrebsalarmstufe Rot!

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2. Schranz

Als Schranz wird gemeinhin eine Lücke in einem Textil bezeichnet, die so nicht da sein sollte. Oft tritt ein sogenannter Schranz im Hosenbodenbereich auf, etwa wenn besagter Bereich sowieso bereits ordentlich abgewetzt ist, oder aber in der Beinregion, zum Beispiel nach unsachgemässem Überklettern eines Stacheldrahtzaunes. Schranz ist aber auch eine brettharte, monotone und minimalistische Spielart des Techno, die mit unglaublichen 150-170 BPM gespielt wird. Wer bei dieser Geschwindigkeit mithalten will, der tanzt sich früher oder später garantiert einen Schranz in die Hose. Der Name stammt aber nicht daher, sondern …. aber das erklärt Ihnen DJ, Produzent und Schranz-Papa Chris Liebing besser gleich selber.

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3. Danger Music

«Wo man sing, da lass’ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder», meinte einst der Deutsche Dichter und Schriftsteller Johann Gottfried Seume. Wo allerdings Danger Music gespielt wird, sei durchaus zur Vorsicht aufgerufen, denn hier wird Musik zu etwas Gefährlichem, gehen die Betreiber des jungen Avantgarde-Genre doch davon aus, dass Musikstücke entweder die Zuhörerschaft oder den Künstler verletzen können oder werden. Oft werden Danger Music-Performances bereits abgesagt, bevor sie überhaupt durchgeführt werden können, weswegen diese Anti-Musik eher als Philosophie oder politisches Statement und weniger als wirkliche Komposition zu verstehen ist. So wird zum Beispiel in Stücken die Anweisung gegeben, man solle dermassen laut spielen, dass die Teilnehmer taub würden (was allerdings bei anständigen Rock-Konzerten auch nicht anders sein sollte) oder aber Bomben ins Publikum werfen.

Ein Vertreter des Danger-Music-Genres ist die japanische Band Hanatarash, die berüchtigt für ihre gefährlichen Live-Shows ist, in denen auch mal ein Bulldozer quer durch den Konzertraum gefahren wird. Werfen Sie also besser zuerst einen Blick über die Schulter, bevor sie sich untenstehendes Video angucken.

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4. Nintendocore

Wer in den 80ern oder frühen 90ern im Kindes- oder Teenageralter war, der kennt Mario und Luigi. Und Donkey Kong. Es war die Zeit, als die klobigen Nintendo-Spielkonsolen Einzug hielt in die Kinderstuben und Papa und Nachwuchs gleichsam vergnügt in den aufkommenden Jump’n'Run-Spielen Münzen sammelten, Gegner plattdrückten, schildkrötenähnlichen Wesen auf den Panzer hüpfen, und durch Super-Pilze Grösse und Stärke erlangten. Dazu scherbelte jeweils der unverkennbare Nintendo-Soundtrack aus den Boxen: Dünne und schrille Computer-Synthesizer-Sounds, die mit der Zeit gewaltig nervten und einem manchmal gar in den Schlaf verfolgten.

Genau diese Sounds sind in den letzten Jahren im musikalischen Schaffen der Nintendo-Generation wieder aufgetaucht. Dabei mag sich nicht nur die elektronische Musik-Welt unter dem Namen Chiptune für die einstigen Kinderzimmer-Klänge begeistern, sondern auch knallharte Stromgitarristen zollen Mario und all den anderen Tribut. So mischen zum Beispiel die kalifornischen Metalcorer Horse the Band («the greatest unsucessful band ever») brettharte Post-Hardcore-Riffs mit 8-bit-Synthie-Sounds und nennt diese abenteuerliche Mischung Nintendocore. So unterschiedlich Chiptuner und Metaller in ihrem musikalischen Bestreben auch sein mögen, wenn es um Videogame-Nostalgie geht, sind dann doch wieder alle gleich.

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5. Bubblegum Dance

Bubblegum Dance ist eine dermassen süsse, zuckrige und überkandidelte Art von Musik, dass einem nach wenigen Tönen ein akuter Diabetes-Schub droht. Aufgetaucht ist Bubblegum Dance in den späten 90er-Jahren als Subgenre von Eurodance, wobei die Bezeichnung wahrscheinlich auf die 50er-Jahre zurückgeht, in welchen eingängige Popsongs oft mit Damen bebildert wurden, die einen Kaugummi zur beachtlich grossen rosa Kugel aufblasen konnten.

Bezeichnend für das Genre sind simple elektronische Mitsing-Melodien und einigermassen dämliche Texte, welche aufgekratzte kindische Fröhlichkeit verbreiten. Hohe Frauenstimmen und Rap-Einlagen von Männern setzen dem Ganze oftmals noch die glasierte Zuckerkirsche auf. Immerhin nahmen die Bubblegum-Dance-Bands sich selber nie allzu ernst, sondern legten eine gesunde Portion Selbstironie an den Tag. Das ist auch nötig, wenn man Musik produziert, zu der ein erwachsener Mensch nur tanzen kann, wenn er sich vorher eine Intelligenz-weg-Droge einverleibt hat und den musikalischen Geschmack eines achtjährigen Kindes besitzt. Wer’s erfunden hat? Nein, Schwein gehabt, die Schweizer waren’s nicht, sondern die Dänen, die mit Aqua auch gleich den Vorzeigekandidaten des Genres stellen. Die Schweden sind aber auch nicht schlecht, bzw. sind auch schlecht, wie das Beispiel Jonny Jakobson zeigt, der unter verschiedenen Namen 12(!) Alben veröffentlicht hat und mit «Rice & Curry« 1998 europaweit die Charts stürmte. Jetzt mal im Ernst: Wer kauft so was?!

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6. Unblack Metal

Was kommt ihnen in den Sinn, wenn Sie «Black Metal» hören? grimmig dreinblickende Mannsbilder in langen schwarzen Ledermänteln wahrscheinlich. Vielleicht auch noch Nieten- oder Patronengürtel, schwarze Schminke, Kunstblut und irgendeinmal dann sicher auch der Gehörnte höchstpersönlich. Die Faszination für Satan und Teufels-Symbolik ist untrennbar mit Black Metal verknüpft, zumal satanische Texte als eigentliches Kernelement von Black Metal gelten. Irgendwie passen der finstere, misantrophe Kerl und die düstere Musik, die einst im Schweden und Norwegen der 80er-Jahre entstanden ist, ja auch bestens zusammen. Oder anders: Der olle Satan würde ein prima Black-Metaller abgeben.

Es gibt aber auch Liebhaber von harten verzerrten Gitarrenriffs, Blast Beats, Doublebass und knurrend-fauchendem Guttural-Gesang, die sich mit den satanistischen Themen von Black Metal nicht anfreunden mögen und deswegen sogenannten «Unblack Metal» (manchmal auch «Grey Metal» oder «Christian Metal») bevorzugen. Dieser ist zwar musikalisch nicht von seinem düsteren Bruder zu unterscheiden, in Bezug auf den Textinhalt bedient er sich allerdings einer ganz anderen Metaphorik und Symbolik: Christliche Werte werden hochgehalten, Satanismus attackiert und gerne werden auch mal biblische Zitate eingeflochten.

Wer genau mit der christlichen Version von Metal begonnen hat, ist umstritten. Rockmusik im Namen des Herrn gibt es bereits seit den 70er-Jahren, in der Metal-Abteilung darf sich wahrscheinlich die australische Band Horde die Erfinder-Medaille ans Revers heften, verwendeten die Herren auf ihrem 1994 erschienenen Album doch erstmals den Begriff «holy unblack metal».

Vielleicht würde hier ja der Schlüssel liegen, wie Kirchen ein neues Publikum ansprechen und ihre Bänke wieder füllen könnten mit (langhaarigen) Schäfchen. Man stelle sich vor: Anstelle antiquierter Choräle schallt moderner Unblack Metal durch die Gotteshäusern, anstelle des Frauenchörli Hinterfultigen sorgen Horde für musikalische Erbauung. Da würde selbst die Autorin hingehen. Hallelujah!

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Fortsetzung folgt!

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